Autor*innen: u.a. Katharina Vorndran, Babette Hnup, Kristina Klasen
Kamera: u.a. Heiko Schulze, Daniel Laudowicz
Schnitt: u.a. Thomas Maxe Nowotka
Creative Producing: Alena Figueroa
Recherche: Christoph Schubert, Sophia Bodlak
Produzent*innen: Roxana Hennig, Gunnar Dedio
Redaktion (MDR): Martin Hoffmann, Ulrike Biehounek
Eine Produktion der LOOKS Media GmbH im Auftrag des MDR
Nah dran, authentisch, echt – der Mensch im Mittelpunkt. In 30 Minuten taucht Re: in Lebenswelten ein und macht Europas Vielfalt erlebbar. Von montags bis freitags um 19.40 Uhr und jederzeit im Netz.
(Reportage, 30′)
Tschechien ist auf dem Weg zu einer Cannabis-Legalisierung und Prag für viele schon heute das nächste Amsterdam. Der Markt boomt aber schon jetzt – auch ohne Legalisierung. Suchtberater Radek Jurnikl ist jeden Tag bei seiner Arbeit auf den Straßen Prags damit konfrontiert. Seit zwei Jahren darf Cannabis zudem für medizinische Zwecke in Tschechien angebaut werden.
Prag ist in Ost-Europa als Party-Hotspot bekannt: Inzwischen werden dort nicht nur bierselige Junggesellenabschiede gefeiert, Tschechiens Hauptstadt zieht auch viele Cannabis-Liebhaber an. Aber nicht nur im „Amsterdam des Ostens“ wird der Cannabis-Boom sichtbar: Tschechiens Jugend konsumiert so viel wie nirgendwo sonst in Europa. Dabei ist Cannabis im Land aktuell noch nicht legalisiert. Zwar hat Tschechiens Regierung angekündigt, Deutschland bei der Cannabis-Legalisierung folgen zu wollen. Bisher liegt aber nur ein Gesetzentwurf vor.
Trotzdem blüht der Cannabis-Markt: Touristen können sich auf dem Schwarzmarkt der Prager Innenstadt versorgen. Dazu kommen vermeintliche Cannabis-Shops, die eigentlich nur nicht-berauschende CBD-Produkte verkaufen dürfen. Die aktuell unübersichtliche Rechtslage wird auch von Drogenberater Radek Jurnikl kritisiert. Er arbeitet seit sieben Jahren auf Prags Straßen mit Drogenabhängigen.
Der legale Markt befindet sich ebenfalls im Aufschwung: Seit zwei Jahren dürfen Unternehmen in Tschechien Cannabis für medizinische Zwecke anbauen. Für Martin Vanek und sein Team ermöglichte diese Liberalisierung den Eintritt in ein lukratives Geschäft. Die angekündigte Legalisierung könnte Unternehmern wie ihm die Tür zu einem nochmals größeren Markt öffnen. Während Martin Vanek legal Cannabis anbauen kann, sitzt Matej Cerny wegen illegalem Anbau seit drei Jahren im Gefängnis. Der Familienvater muss als Wiederholungstäter insgesamt zwölf Jahre absitzen. Er hofft, dass er nach einer Legalisierung einen Teil seiner Haftstrafe erlassen bekommt.
Tschechien zählt zu den größten Produzenten von Speisemohn weltweit – 80 Prozent der Ernte wird exportiert. Doch die Landwirte stehen vor zunehmenden Herausforderungen. Wenig Regen und steigende Temperaturen beeinträchtigen das Wachstum der Pflanzen und machen sie anfälliger für Schädlinge. ARTE Re: begleitet zwei Bauern, die auf unterschiedliche Weise Mohn anbauen. Die äußeren Bedingungen sind jedoch für beide gleich: Schädlinge und die Auswirkungen des fortschreitenden Klimawandels erschweren es ihnen, die Ernte zuverlässig zu planen und durchzuführen.
Einer von ihnen ist František Pospíšil. Seit Generationen baut seine Familie Speisemohn an, doch nun ist er unsicher, ob er diese Tradition noch lange fortführen kann. Seine Hoffnung ist, dass sein gleichnamiger Sohn eines Tages den Hof und das Geschäft übernimmt. František tut alles, um es der nächsten Generation so leicht wie möglich zu machen. Der Sohn ist bereits aktiv in die Mohnproduktion eingebunden. In diesem Sommer plant die Familie, 30 Tonnen Mohn zu ernten. Doch der Rüsselkäfer verursacht erhebliche wirtschaftliche Schäden. František macht sich Sorgen, dass dieser Schädling sein Ziel zu einer großen Herausforderung macht – insbesondere, da die Mohnproduktion sein Hauptgeschäft ist.
150 Kilometer von František entfernt lebt der Mohnbauer und Familienvater Jiří Marek. Auch er sieht sich mit den Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert. Jiří setzt auf natürliche Anbaumethoden und verzichtet vollständig auf Chemie. Der Schutz von Tieren und die nachhaltige Erhaltung des Bodens sind ihm besonders wichtig. Daher baut er häufiger andere Pflanzen an, um die Böden zu schonen, und vermeidet die Konflikte, die ein intensiver Mohnanbau mit sich bringen kann. Trotzdem hat auch er mit dem Rüsselkäfer zu kämpfen. Anders als František betrachtet Jiří den Schädling jedoch als einen Teil der Natur. Gemeinsam mit seiner Frau Marcela verarbeitet er den Mohn zu eigenen Produkten, wie Öl, Samen und Gebäck, die sie anschließend lokal verkaufen. Ob die Ernte dieses Jahr ausreicht, damit die Familie davon leben kann, wird sich noch zeigen.
Diese Reportage begleitet zwei Mohnbauern, die unterschiedliche Herangehensweisen beim Mohnanbau und der Schädlingsbekämpfung verfolgen. Die Erträge, der fortschreitende Klimawandel und die Belastung durch Schädlinge könnten darüber entscheiden, inwieweit sie ihre Mohnproduktion in Zukunft fortsetzen können.
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